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Alt 25.04.2010, 00:10   #4
Dr. Holger Kaletha
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Hallo Bernd,

erst einmal besten Dank für die Entdeckung! Allerdings eine "junge Pianistin" ist sie wohl mehr vom Aussehen - sie ist Jahrgang 1969, also inzwischen 41 Jahre alt! Ich kannte sie bisher überhaupt nicht und habe mir die Ausschnitte bei youtube angeschaut - die wohl alle von einer DVD stammen, die erhältlich ist, welche so ziemlich alles aufbietet, was die Klavierliteratur an klaviertechnischen Höchstschwierigkeiten bereithält. Was für ein Naturtalent, habe ich spontan gedacht! Virtuos, sinnlich, ein sehr "musikantisches" Spiel mit viel Lebensfreude und überlegener Virtuosität. In dieser Art erinnert sie mich an Lilya Zilberstein. Ich frage mich auch: Warum bekommt eine Yuja Wang etwa einen Exklusivvertrag bei der DGG und nicht sie? Was unterscheidet sie von einer Anna Gourari z.B.? Das ist schwer zu durchschauen! Die Karriere von Lilya Zilberstein ist auch nicht gut gelaufen. Sie hatte erst einen Exklusivvertrag bei der DGG, der ist aber schon lange gekündigt. Die Frage ist letztlich: Reicht es, sinnlich-virtuos Klavier zu spielen als "Profil", um sich aus der großen Gruppe sehr guter Pianisten auf internationalem Niveau herauszuheben und auf Dauer zu behaupten? Die schwierige Chopin-Etüde op. 10 Nr. 2 ist zweifellos eindrucksvoll, wie sie da über die Tasten "wie Butter" gleitet (eine chromatische Tonleiter in den letzten drei Fingern der rechten Hand, das ist schon ziemlich gemein!). Der virtuose Gipfel Gaspard de la nuit mühelos, technische Schwierigkeiten scheint sie nicht zu kennen und auch sehr schön klangsinnig - nur ist das kein "moderner" Ravel. Das ist Spätromantik - Ravel als Bruder von Balakirev sozusagen. Mehr kann ich dazu leider kaum sagen - dazu müßte ich wirklich einige Aufnahmen von ihr hören auf CD in vernünftiger Tonqualität also - die es von ihr offenbar leider nicht gibt oder nicht mehr gibt.

Beste Grüße
Holger
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