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    Auch auf YT zu finden:
    https://www.youtube.com/watch?v=hwUB6wWrbB0&list=PLYNmmXWjZ2CExOZT5UKC3RJG rwn8kjkia&index=1&ab_channel=BerlinPhilharmonicOrc hestra-Topic
    Spektakulär trifft es auf den Punkt - irre Dynamik, rauscharm und bis in oberste Oktaven detailreich - hervorragend. Über Kopfhörer evtl. zum Teil etwas abgegrenzter Bühnen Panorama Links, Mitte, Rechts Eindruck.

    LG, dB
    Zuletzt geändert von Dezibel; 15.11.2023, 12:52.
    don't
    panic

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      ohne nähere info zu haben vermute ich, das ist in ortf aufgenommen, es gibt übrigens einen eigenen balance operator bei der digitalisierung? james brown

      da das eine decca produktion ist, kann es natürlich auch mit einem decca tree aufgenommen worden sein,

      Lerne alles über Mikrofonabstände und -Anordnungen, um Stereotechniken wie AB, XY, Beinahe-Koinzident, ORTF, DIN, NOS und mehr einzurichten!

      https://de.wikipedia.org/wiki/Decca_Tree

      mischung aus romantischer kom
      positionstradition mit starken kaukasischer volksmusik besonders auch in der rhythmik. armenien.
      dazu die verwendung von orthodoxen kirchentonarten.
      gute musi.
      wenn man sich ein hirnkino machen will, in dieser weltgegend tanzen männer und frauen in getrennten gruppen, manchmal kann man das männer und frauenthema hören als dialog von gegensätzen.
      12 ton kennt er übrigens auch der aram. setzt er aber nur sparsam als verfremdung ein.
      Zuletzt geändert von longueval; 15.11.2023, 18:15.
      ALSregel: besser man kann mehr, als man macht, als man macht mehr, als man kann. (brecht)

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        Wenn wir schon bei der Musik sind. Mein (fast) tägliches Klavierspiel beginnt immer mit einem Stück, das für mich etwas Besonderes darstellt. Aber nicht nur für mich. Der große Pianist Alfred Brendel spielte es in seinem Abschiedskonzert als letzte Zugabe. Es ist von Franz Liszt, aus dem ersten Band "Suisse" (Schweiz) seines Klavierzyklus "Annees de Pelerinage" und trägt den Titel Au lac de Wallenstadt. Er bezieht sich auf den Walensee, der bei Walenstadt liegt im Kanton St. Gallen. Im 18. Jhd. begann der Alpentourismus und die Alpenbegeisterung. Man suchte in der Hochgebirgslandschaft nach dem Ideal der Natur und einem nicht gesellschaftlich dekadenten, natürlich-einfachen Leben, das vor allem Jean-Jacques Rousseau und seine Maxime "Zurück zur Natur!", der ja auch Schweizer war, geprägt hat. Liszt, der fließend Französisch sprach, trug immer sein Lieblingsbuch bei sich, den Roman Oberman von Etienne de Senancour, dem Klassiker der französischen Frühromantik, der sehr stark von Rousseau beeinflusst ist. Im Notentext stehen ganze Textpassagen aus diesem Roman - dazu Zitate von Schiller, Byron. Das berühmteste Stück aus diesem Heft ist Vallee d´Oberman, das alle großen Virtuosen wie Horowitz gespielt haben. Liszts Werk steht für das Ideal der Romantik, die Einheit von Musik, Literatur und bildender Kunst (letztere kommt dann im zweiten Band, Italien (!)). Liszt war ein hoch gebildeter Mensch. Und davon muss man etwas mitbringen, wenn man diese Stücke wirklich verstehen will, wenn man sie spielt. Das erste Stück aus Band I ist die Tellslegende, die ich auch gespielt habe, aber noch nicht wieder "aufgefrischt". Das Reiseziel ist hier die Tellskapelle am Vierwaldstätter See. Dort gibt es Fanfaren, Bergechos, eine Kampfszene und dann am Schluss einen Hymnus des Friedens. Die Antwort darauf ist Au lac du Wallenstadt - auf den weltlichen Frieden folgt die Besinnung auf einen höheren, überirdischen Frieden. Das sagt das Byron-Zitat, das Liszt dem Stück vorangestellt hat:

        Thy contrasted lake / With the wild world I dwell in is a thing / Which warns me, with its stillness, to forsake / Earth's troubled waters for a purer spring.”

        Einigermaßen ordentlich übersetzt:

        Der kontrastierende See / Mit der wilden Welt, in der ich wohne, ist eine Sache, / Der mich mit seiner Stille warnt, / Die unruhigen Wasser der Erde für eine reinere Quelle zu verlassen.

        Das muss man verinnerlicht haben als Spielanweisung, um das Stück richtig zu spielen. In der linken Hand gibt es eine Bewegung im Pianissimo, die extrem gleichmäßig gespielt werden will. Sie symbolisiert die spiegelglatte Oberfläche des Sees in absoluter Windstille. Darüber "erhebt" sich dann wie die Berge am Ufer eine Melodie. Das Stück ist wirklich sehr bildhaft. Zwischendrin keimt die Leidenschaft leise auf in diesem ansonsten sehr zart-anmutigen Stück, wie wenn der Blick sich zu den Berggipfeln erhebt. An Schluss verklingt es leise. Der beste Interpret von Annees de Pelerinage ist und bleibt für mich Lazar Berman, dessen mit dem Grand Prix du Disque ausgezeichnete Gesamtaufnahme ich damals kaufte und die mich so faszinierte, dass ich unbedingt einige Stücke daraus selber spielen wollte. Er bekommt die linke Hand wirklich extrem gleichmäßig hin. Da steht im Notentext ein wirklich verrückter Fingersatz, der von Liszt selbst stammt - man soll mit dem 3., 4. und 5. Finger erst eine Quarte (3-4) und dann eine Quinte (4-5) greifen. Selbst ich mit meinen großen Händen kann das nicht greifen und muss da übergreifen - wie wohl jeder Pianist heute auch. Liszt muss unglaubliche Hände gehabt haben mit extrem dehnbaren Fingern, dass er das so spielen konnte. Zuerst der überragende Lazar Berman - so wie er das spielt, ist das im Prinzip auch meine Auffassung:

        from Années de pèlerinage: SuisseLazar Berman, pianist(the first picture is taken from Wallenstadt!)


        Nun nicht nur zu hören, sondern auch zu sehen, wie Francesco Piementesi, ein wirklich auch ganz hervorragender Liszt-Spieler, der Schweizer ist und Schüler von Alfred Brendel, das Stück als Zugabe spielt. Das ist nicht so ganz meine Auffassung - obwohl ich Piemontesi sehr schätze und seine Aufnahmen auch habe. Man sieht gleich am Anfang, dass er grifftechnisch "pfuscht". Er spielt die Begleitfigur mit beiden (!) Händen. Es entsteht nämlich leicht ein "Loch" am Anfang, wenn man da übergreifen muss. Das vermeidet er auf diese Weise elegant. Er folgt dann seinem Lehrer Brendel, der die Melodie für meinen Geschmack etwas zu statisch spielt, um den Eindruck absoluter Stille zu erzeugen. Er bindet nicht mit den Fingern, sondern springt über die Tasten mit einem und demselben Finger - so entsteht statt einer melodischen Phrase eine Folge einzelner Töne. Auch spielt er die Oktaven wiederum immer 1-5 - ich (mit meinen großen Händen geht das) habe da einen anderen Fimgersatz, spiele sie, um sie möglichst melodisch zu binden mit 1-3, 1-4 und 1-5. Ich betone den Gegensatz melodisch (rechte Hand) - amelodisch (linke Hand) in der Art von Lazar Berman. Was mir weniger gefällt, ist, dass er die spielerische Schlusspassage sehr breit spielt, im Tempo reduziert, was so auch nicht im Notentext steht. Das ist mir ein wenig zu sentimental bedeutungsschwer, ich habe es da lieber leichter wie das schwerelose himmlische Glück. Aber sowas ist Auffassungssache! Am Schluss mache ich selbst ebenfalls eine Betonung, die nicht im Notentext steht (Niemand spielt das wohl so außer mir Amateurpianisten, ich finde es aber sehr poetisch ), wie eine Glocke, deren Ton über dem See verklingt, Viel Vergnügen beim Hören!.

        Franz Liszt: Au lac de Wallenstadt (Années de pèlerinage)Francesco Piemontesi, Klavierhr-Sinfoniekonzert ∙Alte Oper Frankfurt, 17. November 2017 ∙Website: ht...


        Schöne Grüße
        Holger

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          Zum neuen Jahr gibt es ein neues Bild! Noch zum Jahresende hatte ich mir den noch fehlenden Kabeltuner besorgt - ein Multifunktionsgerät, das auch Blue-Rays/DVDs abspielt und brennt:

          DMR-BCT765 Blu-ray™ Recorder | Panasonic

          Der Grund: Das alte Gerät ebenfalls von Panasonic war für die Schüssel. Jetzt in der neuen Wohnung haben wir aber Kabel. Also musste es ausgetauscht werden. Der Funktionsumfang ist im Prinzip identisch mit einigen doch in der Praxis relevanten Veränderungen. Sehr gut ist die Pausenfunktion, die ich direkt für das Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker verwendet habe: Wenn man die Sendung nicht gleich gucken kann, drückt man auf "Pause". Der Film wird dann zwischenzeitlich auf Festplatte aufgenommen und später schaut man dann weiter. Anders als beim alten Gerät hat dieses offenbar keinen eingebauten D/A-Wandler mehr, dafür aber nicht diesen wackligen Toslink-Anschluss, sondern einen coaxialen Digitalausgang. Da ich ja in meinem Yamaha RN 803D einen Wandler eingebaut habe, brauche ich ihn nicht. Bei DVDs, die man abspielt, ist die Klangqualität so auch deutlich besser als früher. Die Kabel musste ich alle neu kaufen - gut und günstig bestellt bei Amazon. Sogar das Netzkabel vom Fernseher war beim Umzug verschütt gegangen. Nur für die Digitalverbindung habe ich mir ein 50 cm Audioquest Cinnamon gegönnt für 89 Euro - Preis-Leistungsverhältnis hervorragend. Der Klang ist jetzt deutlich besser als früher - im Fernsehbild zu sehen ist der berühmte Emil Gilels, der Professor am Moskauer Konservatorium war, aber eigentlich aus der Ukraine, aus Odessa, stammt. Früher war das unerheblich, heute muss man es leider sagen. Die DVD - Emil Gilels spielt im österreichischen Ossiach - ist ein "Muss" für den Klassikfreund. Eins meiner Lieblingsstücke sind die Mozart-Variationen, die auch während des Fotos gerade laufen:

          Emil Gilels: Recital [DVD] [2007]: Amazon.de: DVD & Blu-ray

          Was mich besonders gefreut hat: Mit dem alten Gerät waren speziell bei dieser DVD Ton und Bild nicht ganz zusammen - jetzt stimmt alles perfekt! Am Yamaha angeschlossen habe ich den alten Technics SL-PG 470 A mit dem ebenfalls betagten Van den Hul D300 III-Cinchkabel, das ich für den Marantz CD 80 heute nicht mehr brauche, weil ich ihn an der Kopfhöreranlage im Souterrain als digitales Zuspiellaufwerk für den DAC benutze. Der Technics ist ein unverwüstliches Teil. Weil er lange nicht gespielt wurde, geht die Schublade schon mal raus und gleich wieder rein. Dann muss man ein paar Mal drücken, und alles ist wieder in Ordnung.

          Technics SL-PG 470 A | Hifi-Wiki

          Das Gerät ist einfach sehr solide - und hat damals nur 279 Euro gekostet! Klanglich ist es sehr gefällig - allerdings ist der Technics auch ein Weichspüler. Aber bei dem Preis kann man auch nicht meckern. Vorgestern habe ich noch einmal den Vergleich gemacht mit dem neunen Panasonic BCT 765, wenn ich ihn als CD-Laufwerk verwende. Man merkt natürlich den modernen Wandler des Yamaha. Aber!!! Hifi-tauglich ist es nicht wirklich, so ein Multifunktionsgerät zum Abspielen von CDs zu verwenden. Ich hatte die CDs mit dem Neujahrskonzerten, die Carlos Kleiber dirigierte, eingelegt - nach wie vor einfach singulär. Das klingt sehr unausgewogen und das Orchester irgendwie komprimiert. Da ziehe ich den uralten Technics vor! Der Klang ist nicht so farbig und substanzreich, aber man hört eben eine reife Hifi-Anlage mit "realistischer" Anmutung eines Orchesters, das im großen Wiener Musikvereinssaal spielt. Ich sage das auch, weil in einem anderen - hier bekannten - Hifi-Forum tatsächlich Jemand behauptet hat, so ein Multifunktionsplayer sei klanglich nicht nur gleichwertig, sondern sogar besser als ein hochwertiger CD-Spieler mit speziellem CD-Laufwerk als "Spezialist".

          Auf dem klanglichen Niveau meiner AVM-Kette ist das natürlich alles bei weitem nicht - wo auch der Denon DCD 1600 NE dranhängt.

          Zuvor hatte ich noch einmal an der AVM-Kette den Vergleich AVM Wandler/Laufwerkskombination und Denon gemacht. Im Hochtonbereich ist die Abstimmung deutlich anders! Der Denon klingt sehr präzise und im Bassbereich ungemein differenziert, aber deutlich schlanker, nicht so körperlich, mit deutlich weniger Tonfülle und auch nicht ganz so homogen. Die folgende Aufnahme - impressionistische Musik mit Atmosphäre - klingt im Hochtonbereich mit dem Denon einfach zu "trocken", speziell diese Aufnahme würde ich, obwohl es eine SACD ist, immer mit der Hybrid-Spur mit der AVM Wandler/Laufwerkskombi spielen. (Ravel Miroirs, Une Barque sur l´ocean) Klanglich sind diese Hybrid-SACDs superb aufgenommen (!):

          Orchestral Works - Vladimir Ashkenazy, Maurice Ravel, Vladimir Ashkenazy: Amazon.de: Musik

          Schöne Grüße
          Holger

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            Zitat von Holger Kaletha Beitrag anzeigen
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            Zum neuen Jahr gibt es ein neues Bild! Noch zum Jahresende hatte ich mir den noch fehlenden Kabeltuner besorgt - ein Multifunktionsgerät, das auch Blue-Rays/DVDs abspielt und brennt:
            .........
            . Die folgende Aufnahme - impressionistische Musik mit Atmosphäre - klingt im Hochtonbereich mit dem Denon einfach zu "trocken", speziell diese Aufnahme würde ich, obwohl es eine SACD ist, immer mit der Hybrid-Spur mit der AVM Wandler/Laufwerkskombi spielen. (Ravel Miroirs, Une Barque sur l´ocean) Klanglich sind diese Hybrid-SACDs superb aufgenommen (!):

            Orchestral Works - Vladimir Ashkenazy, Maurice Ravel, Vladimir Ashkenazy: Amazon.de: Musik

            Schöne Grüße
            Holger

            Hallo Holger,
            Du bist ja unverwüstlich!

            Aber eine Barke auf dem Ozean wird nie ganz trocken.

            Du magst das mit dem Denon bei dem Stück tatsächlich so empfinden, aber wenn das am Denon läge, dann wäre da irgend etwas nicht in Ordnung und Du solltest das imho mal vom Fachmann überprüfen lassen.

            Viel Freude weiterhin im Neuen Jahr,

            LG
            Bernd

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              Zitat von Palisanderwolf Beitrag anzeigen


              Hallo Holger,
              Du bist ja unverwüstlich!

              Aber eine Barke auf dem Ozean wird nie ganz trocken.

              Du magst das mit dem Denon bei dem Stück tatsächlich so empfinden, aber wenn das am Denon läge, dann wäre da irgend etwas nicht in Ordnung und Du solltest das imho mal vom Fachmann überprüfen lassen.

              Viel Freude weiterhin im Neuen Jahr,

              LG
              Bernd
              Hallo Bernd,

              ja, unverwüstlich bin ich wohl! Ich kann Dir versichern, mit dem Denon ist alles in bester Ordnung. Mein erster CD Player war 1986 ein Denon. Von daher ist mir die klangliche Signatur bei den Denon CD-Spielern sehr gut vertraut. Sie klingen halt im Hochtonbereich nicht ganz so hell und offen, eher etwas abgerundet und insgesamt sehr schön warm-farbig. Bei unterschiedlichen Aufnahmen wirkt sich das natürlich verschieden stark aus. Bei manchen merkt man nur eine Nuance, hier wird es sehr deutlich. Das hängt letztlich mit der Lokalität der Aufnahme und der speziellen Aufnahmetechnik zusammen. Natürlich hat diese etwas oberbassbetontere Klangsignatur von Denon auch ihre Vorzüge. Bei Violine solo kann gerade das wieder sehr angenehm sein, weil die Geige dann etwas sonorer in Richtung Cello und nicht so glasig hart klingt wie hier:

              Eugene Ysaye: Sonaten für Violine solo op.27 Nr.1-6 (CD) – jpc

              Schöne Grüße
              Holger​

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                ich schreib nicht so oder so, damit niemand sagen kann, dass ich so oder so geschrieben hätte...
                ALSregel: besser man kann mehr, als man macht, als man macht mehr, als man kann. (brecht)

                Kommentar


                  Gestern hatte ich - glaube ich zum ersten Mal im neuen Jahr - wieder einmal Zeit, mit meiner "großen" Anlage zu hören, also der AVM-Kette inclusive angeschlossenem Denon DCD 1600 NE.

                  "Klassische Musik" wird ja oft synonym verwendet mit "ernste Musik", wobei man sich dann vorstellt, dass man die Musik stocksteif mit einer Leichenbittermiene spielen und als Hörer aufnehmen müsste. Keiner hat das eindrucksvoller widerlegt als der legendäre Carlos Kleiber. Diesen unglaublichen Probenmitschnitt von 1970 sollte man sich anschauen - fälschlich wird dort die Freischütz-Ouvertüre angegeben, es handelt sich aber um die Feldermaus-Ouvertüre von Johann Strauss, also "ur-wienerische" Musik:




                  1970 - das war die Zeit der 1968iger Revolte. Unter den Musikern merkt man das an einigen Herren, die unverschämt im Rollkragenpullover dasitzen. Die anderen sitzen da noch ganz stocksteif im Anzug - wirken eher wie Staatsbeamte aus der Adenauer-Ära als Musiker, die zudem eine federleichte Operettenmusik spielen sollen. Was für ein Kontrast Carlos Kleiber! Er sprüht nur so vor Witz, Charme und glühender Lebensfreude. Was er da vollbringt, ist ein pädagogisches Wunder: Aus diesen grauen Mäusen von braven Orchesterbeamten holt er Musik heraus, die nur so sprüht vor Energie und der Leichtigkeit der Lebenslust. Carlos Kleiber mit seinem Witz, seiner Ironie bekommt alles was er will. Er ist bemerkenswert kein Pultdikator wie Toscanini oder Karajan, sondern unglaublich charmant. Und diesem seinem Chamre kann Niemand widerstehen. Niemand gelingt die Feldermaus-Ouvertüre so wienerisch leicht wie Carlos Kleiber. Legendär sind seine beiden Neujahrskonzerte mit den Wiener Philharmonikern - und das habe ich mir von der CD angehört, gleich zweimal, einmal mit der AVM Wandler-Laufwerkskette und dann mit dem Denon. Hier hatte der Denon seine Vorteile mit dem schlanken und präzisen Klang. Er vermittelt einfach diese unglaubliche, federnde Leichtigkeit besser. Wie schön, wenn man zwei solche außergewöhnlich gut klingenden Alternativen hat und wählen kann...

                  Provided to YouTube by Sony ClassicalDie Fledermaus: Overture · Carlos Kleiber · Wiener Philharmoniker · Johann Strauss IICarlos Kleiber Conducts Johann Stra...


                  Für mich "die" Carlos Kleiber-Aufnahme schlechthin ist die 7. Symphonie von Beethoven, die Richard Wagner die "Apotheose des Tanzes" nannte. Die revolutionäre Emotionalität dieser Musik vermittelt Niemand so wie Kleiber (die Zeitgenossen hielten Beethoven schlicht für verrückt, dass er so etwas komponiert): die totale Ausgelassenheit und den orgiastischen Taumel. Lebensfreude und Lebensenergie pur! Im Konzert hat Kleiber das noch viel drastischer ausgelebt als in der perfekten Studioaufnahme mit den Wiener Philharmonikern. Es gibt diesen Live-Mitschnitt mit dem Bayrischen RSO als SACD - den kann ich nur wärmstens empfehlen. Bezeichnend die Reaktion des Publikums: Bevor der Beifallssturm losbricht wirkt es wie betäubt in Trance nach dem Feuerwerk an leidenschaftlicher Energie, das Carlos Kleiber da entfacht hat. Zuerst kommt nur zögerliches, zaghaftes Klatschen...

                  https://www.jpc.de/jpcng/classic/detail/-/art/Ludwig-van-Beethoven-1770-1827-Symphonie-Nr-7/hnum/1344293?iampartner=spon6&awc=150&awa=1261&gclid=EA IaIQobChMIguKImdTkgwMVToCDBx1WGgQWEAQYASABEgI-MfD_BwE

                  Und nun der Nachtrag zu Ravel. Ich hatte geschrieben, dass der Denon DCD 1600 NE bei der Orchesterversion von Une barque sur l´ocean mir zu trocken klingt im Vergleich mit der AVM Laufwerks/Wandlerkombi. Inzwischen habe ich mich erinnert, dass ich noch einen anderen interessanten Vergleich machen kann. Denon hatte früher ein eigenes Label und hat CDs produziert. Die Aufnahmen waren berühmt für ihre hervorragende Klangqualität. Einen sehr guten Ruf haben nach wie vor die Denon-Aufnahmen der Mahler Symphonien aus der Alten Oper Frankfurt mit Eliahu Inbal. Inbal hat auch das komplette Orchesterwerk von Ravel mit dem Orchestre National de France aufgenommen. Das Label Denon gibt es schon lange nicht mehr - die Denon-Ravel-Aufnahmen sind aber mal als eine Box von Brilliant Classics wiederveröffentlicht worden - und die habe ich:

                  https://www.ebay.de/itm/325447374113?chn=ps&_ul=DE&_trkparms=ispr=1&amdata =enc:1ENRoovGkTge4dgAQL0Jdlw27&norover=1&mkevt=1&m krid=707-134425-41852-0&mkcid=2&mkscid=101&itemid=325447374113&targeti d= 1716911582119&device=c&mktype=pla&googleloc=904394 4&poi=&campaignid=17943303986&mkgroupid=14064215 01 18&rlsatarget=pla-1716911582119&abcId=9301060&merchantid=7364532

                  Meine Vermutung hat sich bestätigt. Die Aufnahme von Denon selbst, gemacht mit Denon-Elektronik, hat den typischen etwas trockenen Klang im Hochtonbereich, den auch mein DCD 1600 NE bei der Exton-Aufnahme von Vladimir Ashkenazy zeigt. Das ist sowohl mit der Wiedergabe über AVM als auch mit dem Denon nachvollziehbar. Interpretatorisch finde ich Inbal bei Ravel (anders als bei Mahler, da ist er hervorragend!) nicht so berauschend. Aber der Klangvergleich ist spannend! Das versteht man auch, wenn man sich mit Ravel näher beschäftigt. Jean Cocteau sprach davon, dass Ravel den Impressionismus geläutert habe, das sei eine "Musik ohne Sauce!" - also eher trocken, kein Monet-Bild in der Musik also. In Alborada del gracioso, ebenso aus dem Zyklus Miroirs, steht sogar am Anfang die Spielanweisung "sec" = deutsch "trocken". Die Orchestrierung ist bei Une barque sur l´ocean, was ursprünglich ein Klavierstück ist, ist auch eher ein wenig unsinnlich-spröde. Wenn das dann noch durch die Aufnahme- und Wiedergabetechnik betont wird, fällt es schließlich auf. Es ist meine Erfahrung über Jahre, dass solche ästhetischen Feinheiten der unterschiedlichen klanglichen Wiedergabe nicht bei jeder Aufnahme gleich gut nachzuvollziehen sind, aber bei manchen dann deutlich. Das ist hier der Fall!

                  Im Tamino-Forum auf meiner Kolumnenseite gibt es eine Werkeinführung mit Interpretationsvergleich von Ravels Miroirs - ich habe bisher allerdings nur die ersten drei Stücke geschafft, die beiden letzten folgen noch. Wer sich dafür interessiert, kann das hier nachlesen in einer Mußestunde und sich dann die Musik anhören:

                  I. Noctuelles Die besprochenen Aufnahmen: Robert Casadesus (CBS (?), New York, 30th Street Studios 3.-7. Dez. 1951) Walter Gieseking (EMI, Abbey-Road Studios London 10.-12., 14-17.12. 1954) Monique Haas (Erato, Eglise Notre Dame du Liban,…


                  Schöne Grüße
                  Holger

                  Kommentar


                    Lieber Holger,
                    was Du zu Carlos Kleiber geschrieben hast, kann ich nur voll und ganz bestätigen und es deckt sich ja auch mit meinen entsprechenden Beschreibungen bei "Dolores Musiktipps" (zuletzt zum Thema Neujahrskonzert im Vergleich zu Karajan, der es erst gegen Ende schaffte das Publikum so zu begeistern, wie Kleiber vom Start weg).
                    Die berühmten DENON-Aufnahmen gibt es seit einigen Jahren wieder im Handel bei Dabringhaus und Grimm (www.mdg.de), allerdings nicht das Gesamtprogramm, sondern nur "passende" Titel - ist möglicherweise ein Rechteproblem.
                    Die Mahler-Box und etliche andere habe ich natürlich auch im Archiv.

                    LG
                    E.M.

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                      Zitat von E.M. Beitrag anzeigen
                      was Du zu Carlos Kleiber geschrieben hast, kann ich nur voll und ganz bestätigen und es deckt sich ja auch mit meinen entsprechenden Beschreibungen bei "Dolores Musiktipps" (zuletzt zum Thema Neujahrskonzert im Vergleich zu Karajan, der es erst gegen Ende schaffte das Publikum so zu begeistern, wie Kleiber vom Start weg).
                      Die berühmten DENON-Aufnahmen gibt es seit einigen Jahren wieder im Handel bei Dabringhaus und Grimm (www.mdg.de), allerdings nicht das Gesamtprogramm, sondern nur "passende" Titel - ist möglicherweise ein Rechteproblem.
                      Die Mahler-Box und etliche andere habe ich natürlich auch im Archiv.
                      Lieber Edward,

                      Deinen Thread finde ich toll - das muss ich hier auch nochmals sagen und schaue gerne immer wieder rein! Seit ich diesen genialen Probenmitschnitt kürzlich gesehen habe, höre ich die Fledermaus-Ouvertüre ganz anders! Der Erzromantiker Novalis sprach von einer "Kultur des Enthusiasmus". "Enthusiasmus" - grenzenlose Leidenschaft und Begeisterung, genau das ist es, was Carlos Kleiber der Musik geben konnte und was wie ich finde kein anderer Dirigent verkörpert. Er lebt und leidet mit der Musik, in die er voll und ganz aufgeht.. Und das ist einfach elektrisierend. Dabei hat er nie übertrieben wie manche Dirigenten heute (Stichwort HIP). Kleiber ist temperamentvoll bis in die letzte Note, aber er forciert die Musik nie künstlich. Wenn man das nämlich tut, dann wirkt die Musik nicht mehr so frei und der Ausdruck von Ausgelassenheit stellt sich nicht ein. Das ist so bei Karajans auf Virtuosität getrimmer Einspielung der Beethoven Symphonien aus den 70igern (da ist die alte von 1963 finde ich auf jeden Fall vorzuziehen). Er spielt die beiden letzten Sätze der 7. Symphonie von Beethoven so schnell, dass man meint, der Dirigient ist ein Einpeitscher von Galeerensklaven, zu denen er die Musiker verurteilt hat. Die können dieses Höllentempo mitgehen freilich, aber dass alles wirkt nicht mehr selbstverständlich, sondern wie gemacht und gelenkt und deshalb irgendwie zwanghaft und von außen "dirigiert". Damit geht genau das Entscheidende verloren: das von allen Zwängen befreite, extatisch ausgelassene Musizieren, was für diese Musik wirklich wesentlich ist. Man darf ja nicht vergessen, dass Beethoven das geschrieben hat im Zeitalter des Deutschen Idealismus. Die "Freiheit" ist der zentrale Gedanke des Idealismus. Musik soll uns befreien von allen weltlichen Unzulänglichkeiten, den tausend Gefängnissen, in die uns das alltägliche Leben einsperrt. Das ist gelebte Utopie - genau so sollte man den Jubel der 7. Beethoven verstehen, als Ausdruck eines grenzenlosen Freiheitsgefühls. Bei Kleiber stellt sich genau das sofort ein - vor allem bei diesem Konzertmitschnitt.

                      Nun nochmal zu Ravel. Die Denon-Aufnahmen sind in der Regel sehr gut. Nur gerade bei Ravel gibt es eine nicht nur musikalisch, sondern auch aufnahmetechnisch herausragende Einspielung, die ist gerade auch klanglich von der Technik her der Denon-Aufnahme turmhoch überlegen - eine der besten Aufnahmen, die die Deutsche Grammophon je gemacht hat. Eine Lautsprecher-Testplatte par excellence. Exttrem klar und sauber, farbig und unglaublich dynamisch - vor allem bei der Rhapsodie espagnole: Claudio Abbado mit dem London SO:






                      Schöne Grüße
                      Holger

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                        Was kaum jemand weiß, Denon (Nippon Columbia) ist der Pionier der digitalen Musikproduktion. Bereits 1971 veröffentliche Denon ein digital produziertes Album. Mit der Audio-CD in den 80er Jahren war Denon dann mit Klassikproduktionen ganz vorne mit dabei.

                        Man hört leider aber auch die Fehler, die man bei frühen Digitalproduktionen gemacht hat. Ich besitze mehrere Denon Classical Sampler aus den 80er Jahren mit ausgewählten Musikstücken aus dem Denon Repertoire. Alles ist auf vordergründig spektakuläre Dynamik getrimmt, dabei hat man es hier und da auch mal übertrieben und den Pegel zu hoch ausgesteuert. Die Analytik ist ausgezeichnet, leider fehlt es aber irgendwie an natürlicher Konzerthaus Akustik. Die Perfektion wird auf Kosten der Natürlichkeit auf die Spitze getrieben.

                        Eine entspannter und stundenlang angenehmer Musikgenuss will irgendwie nicht aufkommen. Das geht (mir) nach zehn Minuten schon auf die Nerven. Das konnten DG, Decca und Philips besser. Zur Musik selber kann und will ich mangels fehlendem Wissen nicht viel sagen außer es gefällt mir oder nicht.

                        Gruß

                        RD

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                          Zitat von ruedi01 Beitrag anzeigen
                          Was kaum jemand weiß, Denon (Nippon Columbia) ist der Pionier der digitalen Musikproduktion. Bereits 1971 veröffentliche Denon ein digital produziertes Album. Mit der Audio-CD in den 80er Jahren war Denon dann mit Klassikproduktionen ganz vorne mit dabei.

                          Man hört leider aber auch die Fehler, die man bei frühen Digitalproduktionen gemacht hat. Ich besitze mehrere Denon Classical Sampler aus den 80er Jahren mit ausgewählten Musikstücken aus dem Denon Repertoire. Alles ist auf vordergründig spektakuläre Dynamik getrimmt, dabei hat man es hier und da auch mal übertrieben und den Pegel zu hoch ausgesteuert. Die Analytik ist ausgezeichnet, leider fehlt es aber irgendwie an natürlicher Konzerthaus Akustik. Die Perfektion wird auf Kosten der Natürlichkeit auf die Spitze getrieben.

                          Eine entspannter und stundenlang angenehmer Musikgenuss will irgendwie nicht aufkommen. Das geht (mir) nach zehn Minuten schon auf die Nerven. Das konnten DG, Decca und Philips besser. Zur Musik selber kann und will ich mangels fehlendem Wissen nicht viel sagen außer es gefällt mir oder nicht.

                          Gruß

                          RD

                          Ist ja grundsätzlich keine schlechte Einstellung, hat sich auch beim Wein bewährt, selbst wenn man sehr gebildet ist und relativ viel über Wein oder Musik und die Wechsel- Beziehung der Menschen dazu weiß.

                          Bei Manchen gehört aber genau das bewußte Reflektieren des Gehörten zum Musikgenuss und zum Hobby dazu.
                          Da ist natürlich nichts dagegen zu sagen, es kann sogar durchaus auch sehr „ergötzlich“ sein.

                          Aber bei manchen „Musikliebhabern“ , darunter auch Holger, frage ich mich schon auch mal, wo er das Alles hernimmt, das ganze Vokabular und die vielen passenden feinsinnigen Wendungen. Hört er noch oder schreibt er schon wieder, oder schreibt er gar parallel zum Hören?

                          Gast

                          Ich glaube, Du schreibst/hörst Dich manchmal in eine leicht dionysisch bacchanale Ekstase.
                          Ist ja nichts Verwerfliches.
                          Solltest dann allerdings kein Auto fahren.

                          LG
                          Bernd

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                            hör ich da nietzsche? da werd ich gleich ganz apollinisch

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                            Zuletzt geändert von longueval; 18.01.2024, 17:56.
                            ALSregel: besser man kann mehr, als man macht, als man macht mehr, als man kann. (brecht)

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                              Zitat von ruedi01 Beitrag anzeigen
                              Man hört leider aber auch die Fehler, die man bei frühen Digitalproduktionen gemacht hat. Ich besitze mehrere Denon Classical Sampler aus den 80er Jahren mit ausgewählten Musikstücken aus dem Denon Repertoire. Alles ist auf vordergründig spektakuläre Dynamik getrimmt, dabei hat man es hier und da auch mal übertrieben und den Pegel zu hoch ausgesteuert. Die Analytik ist ausgezeichnet, leider fehlt es aber irgendwie an natürlicher Konzerthaus Akustik. Die Perfektion wird auf Kosten der Natürlichkeit auf die Spitze getrieben.

                              Eine entspannter und stundenlang angenehmer Musikgenuss will irgendwie nicht aufkommen. Das geht (mir) nach zehn Minuten schon auf die Nerven. Das konnten DG, Decca und Philips besser. Zur Musik selber kann und will ich mangels fehlendem Wissen nicht viel sagen außer es gefällt mir oder nicht.
                              Die Gefahr bei einem Sampler ist allerdings, dass da ganz bewusst die "Reißer" zusammengepackt werden. Das muss dann nicht repräsentativ sein. Die Mahler-Aufnahmen aus der Alten Oper Frankfurt jedenfalls sind in keiner Weise übertrieben, sondern sehr natürlich. Die analytische Durchhörbarkeit passt auch zu Mahler - Mahler selbst forderte vom Orchester vor allem "Deutlichkeit". Bei Ravel (Inbal) im Vergleich von Denon und DGG (Abbado) zeigt, dass die DGG-Aufnahme deutlich dynamischer ist. Denon hat auch Aufnahmen mit Klavier gemacht: Bruno Leonardo Gelber z.B. Die Aufnahmen sind sehr gut, aber auch nicht überragend im Vergleich mit anderen Labels. Ravel ist aufnahmetechnisch eine Herausforderung. Die Dynamikspanne ist so extrem hoch, dass man bei Daphnis et Chloe (der Ballettfassung) bei fast jeder Aufnahme schon beim ersten Stück merkt, wo die Tontechniker die Regler kräftig runtergezogen haben auf dem Mischpult...

                              Schöne Grüße
                              Holger

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                                Zitat von Palisanderwolf Beitrag anzeigen
                                Aber bei manchen „Musikliebhabern“ , darunter auch Holger, frage ich mich schon auch mal, wo er das Alles hernimmt, das ganze Vokabular und die vielen passenden feinsinnigen Wendungen. Hört er noch oder schreibt er schon wieder, oder schreibt er gar parallel zum Hören?

                                Gast

                                Ich glaube, Du schreibst/hörst Dich manchmal in eine leicht dionysisch bacchanale Ekstase.
                                Ist ja nichts Verwerfliches.
                                Solltest dann allerdings kein Auto fahren.
                                Die "dionysisch bacchiale Ekstase" gehört zur Wirkung von Musik - und diese ist in der Tradition, die vom Christentum geprägt wird, auch immer wieder gerne dämonisiert worden. Schön nachzuvollziehen ist das in der Literatur, die sich mit Musik und dem Erleben von Musik beschäftigt. Ein Beispiel ist Eduard Mörikes Novelle Mozart auf der Reise nach Prag:

                                'Mozart auf der Reise nach Prag' von 'Eduard Mörike' - Buch - '978-3-15-004741-5' (thalia.de)

                                Ein Carlos Kleiber vermag eben den Hörer in Begeisterung zu versetzen mit der Begeisterung, mit der er die Musik selber erlebt. Der Kenner hat zudem verschiedene Interpretationen derselben Stückes im CD-Regal - und im Vergleich ist genau das zu bemerken, was bei anderen Interpretationen eben nicht selbstverständlich ist. Es wird wohl kaum einen Hörer geben, auf den sich diese Begeisterung Kleibers, mit der er Musik macht, nicht überträgt. Das kann man auch immer wieder lesen, z.B. in den Kommentaren zum letzten Neujahrskonzert in Wien. Thielemann war sehr gut heißt es - hatte aber nicht Kleibers Enthusiasmus.

                                Es gibt übrigens ein Orchesterstück, dass das Ekstatische im Titel hat - das "Poeme de l´extase" von Alexander Scriabin. Kenner wissen zudem, dass Scriabins 5. Klaviersonate ebenfalls eine Realisierung der Ekstase ist, die offene Form einer Spirale hat, die sich immer weiter ekstatisch hochschraubt.

                                Schöne Grüße
                                Holger

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