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Alt 13.02.2013, 12:19   #1
David
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Standard Was ich unter einem seriösen Vergleichstest verstehe

Aus gegebenem Anlass möchte ich hier erklären, wie ich seit Jahrzehnten Vergleichstest zwischen Audiokomponenten durchführe. Bei diesen Tests bin ich in den seltensten Fällen selbst Proband gewesen, außer wenn es um Geräte für meinen eigenen Bedarf ging.

Hier möchte ich erklären, wie ich seit Jahrzehnten Vergleichstests zwischen Audiokomponenten durchführe. Bei diesen Tests bin ich in den seltensten Fällen selbst Proband gewesen, außer wenn es um Geräte für meinen eigenen Bedarf ging.

In Summe haben sich im Laufe der Jahre sicher einige hundert Leute an meinen Tests beteiligt. Männer/Frauen, junge/alte Menschen, HiFi-Enthusiasten/Unbedarfte, Leute von HiFi-Vertrieben, Hersteller/Konstrukteure von HiFi-Geräten die bei mir im Geschäft zu Besuch waren, Menschen die alle möglichen Musikrichtungen bevorzugen, Musiker, sogar blinde Menschen (weil es ja immer heisst, dass sie besonders gut hören können usw.
Alle waren meist selbst daran interessiert, einmal ganz neutral und unbeeinflusst von Marke, Technologie und Preis zu versuchen, etwaige vorhandene Klangunterschiede heraus zu hören.

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Alles was ich jetzt in der Folge dazu schreibe, sind meine Ansichten, meine Erfahrungen und meine Empfehlungen. Ich will damit weder missionieren noch Irgendwen von Irgendwas überzeugen. Mir ist auch klar, dass alles das in bestimmten Kreisen ganz anders gesehen wird.

Zuerst einmal halte ich jeden "unverblindeten" Klangvergleich für komplett sinnlos, weil dabei ganz stark jede Art von Suggestionen wirksam wird. Auch wird bei solchen Vergleichen nie darauf geachtet, dass wirklich haargenau gleich laut gehört wird. So etwas als "Test" zu bezeichnen ist derartig lächerlich und unseriös, dass ich an dieser Stelle gar nicht weiter darauf eingehen möchte.

Wer das anders sieht, der braucht auch gar nicht weiter zu lesen, weil es dann sowieso nie Konsens geben wird.

Im Detail:

Das Um und Auf bei einem klanglichen Vergleich sind zwei Punkte:

→ exakter Pegelausgleich,

→ absolutes frei*machen von möglichen Suggestionen - also Verblindung.

Der erste Punkt ist mit einem einfachen Messgerät (bei Elektronikprodukten unbedingt nur elektrisch messen, akustisch ist viel zu ungenau!) und einem konstanten Sinussignal im mittleren Frequenzbereich schnell erledigt.

Der zweite Punkt ist nur dann gegeben, wenn die testende Person nicht weiß, welche Komponenten sich hinter A und B verbergen.

Ideal, und genau genommen unumgänglich ist eine unmittelbare Umschaltung zwischen den Komponenten, weil der Mensch nicht in der Lage ist, sich kleine klangliche Unterschiede länger als 1-2 Sekunden zu merken (alleine schon bei dieser Forderung, die genau genommen eine große Hilfe darstellt, wird die Sinnlosigkeit unverblindeter Vergleiche deutlich).

Für Verstärkervergleiche genügt zur Umschaltung ein mehrpoliger Schalter (immer alle Pole umschalten!), denn da stehen nach dem Abgleich bereits gleich laute Signale zur Verfügung.

Bei Tonquellen, die man mit Hilfe zweier hochpegeliger Verstärkereingänge umschalten kann, ist ein Pegelausgleich nicht mehr ganz so einfach, da kommt man um einen Spannungsteiler (Doppel- noch besser Einzelpoti) bei einem der Geräte (natürlich beim lauteten) nicht umhin.
Da es dabei normaler Weise um geringe Pegelunterschiede geht, ist eine klangliche Beeinflussung auszuschließen.

Bei Kabeltests (die ich ohnehin für unnötig halte) ist die Sache einfach. Für Cinchkabel kann man ebenfalls die umschaltbaren Hochpegeleingänge eines Verstärkers verwenden. Für Lautsprecherkabel verwendet man (wenn vorhanden) die umschaltbaren Lautsprecher-Ausgänge.
Pegelgleichheit ist hier sowieso gegeben.

Weitere ganz wichtige Tipps, um wirklich zu weitestgehend eindeutigen Ergebnissen zu kommen:

→ Abgesehen von den Geräten die man vergleichen will, sollten alle Komponenten der Testkette möglichst hochwertig sein, denn sonst werden eventuell vorhandene Unterschiede gar nicht erst aufgedeckt.

→ Nur in akustisch guten bis sehr guten Räumen testen, bei idealer Lautsprecheraufstellung, bei nicht allzu großem Hörabstand und selbstverständlich im Sweetspot sitzend.
Alternativ dazu, eventuell sogar begleitend dazu, könnte man statt Lautsprecher auch hochwertige Kopfhörer nehmen.

→ Nur sehr gute Aufnahmen zum Testen verwenden. Alles sollte dabei sein, nicht nur Musik die man hauptsächlich und gerne hört. Umso größer die Klangvielfalt, desto größer die Chance, eventuell vorhandene Unterschiede zu erkennen.

→ Eher mit höherem Pegel hören als üblich, weil dadurch auch leisere Passagen deutlicher gehört werden.

→ Immer wieder Pausen machen, um nicht "betriebsblind" zu werden. Tests womöglich an anderen Tagen/Tageszeiten wiederholen, wegen der unterschiedlichen Tagesverfassungen.

→ Nicht immer nur wild Hin- und Herschalten, sowohl einzelne kritische Passagen vergleichen als auch größere Sequenzen. Zeit darf dabei keine Rolle spielen.

→ Als "Quercheck(er)" und wenn möglich, auch andere Leute zum Test auffordern.

Anmerkung: diese Auflistung ist eventuell noch erweiterbar, einfach selbst überlegen, was noch Sinn machen könnte. Solange die beiden wichtigsten Punkte eingehalten werden (Pegelgleichheit und Verblindung), kann man nichts falsch machen.

Noch ein paar Anmerkungen:

→ So ein Test erhebt keinen Anspruch auf Wissenschaftlichkeit, es wäre auch unsinnig, so etwas im Hobbybereich zu fordern.

→ Wenn unter besten Umständen keine klangliche Unterscheidung zwischen zwei Audiokomponenten möglich ist, dann sind entweder die technischen Unterschiede so gering dass sie keinerlei Bedeutung haben, oder sie sind zwar vorhanden, fallen aber unter die menschlichen Hörschwellen (die allerdings ebenfalls unterschiedlich sein können).

→ Wer die Möglichkeit hat, parallel zu den Hörtests elektronische Messungen durchzuführen, der sollte sie - eventuell auch zur endgültigen Bestätigung - unbedingt machen. Im Falle von (End-) Verstärkern ist vor allem auch der Frequenzverlauf bei angeschlossenen Lautsprechern im mittleren Leistungsbereich (Vorsicht, Dauertöne belasten die Boxen extrem!) ein ganz wichtiger Indikator dafür, wie sie sich bei komplexer Last verhalten.

→ Meiner Einschätzung nach bleibt bei dieser Testmethode und einem Ergebnis daraus ( wenn man alles richtig gemacht hat) kaum noch ein nennenswertes "Restrisiko" übrig, ich würde es mit unter einem Prozentpunkt beziffern. Selbstverständlich hängt diese Größenordnung auch von den Rahmenbedingungen ab, ich bin jetzt von den bestmöglichen ausgegangen.
__________________
Gruß
David


Erst wenn man begriffen hat, dass Raumakustik, Lautsprecheraufstellung und Hörplatzwahl wichtiger sind als die Anlage selbst, hat man die Audiowiedergabe verstanden.
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Grundsätzlich: Behauptungen die mir bedenklich erscheinen, glaube ich erst, wenn sie mir in Form eines verblindeten Vergleichs bewiesen werden konnten. Das gilt für das was ich selbst zu hören glaube ebenso.
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