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DIY Raumakustik Selbst erstellte Komponenten und Maßnahmen

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Alt 04.07.2014, 20:57   #46
Bert4
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Hallo Oliver


Sehr schön geschrieben

Vielleicht ist dein post überzeugender.




lg Bert
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Alt 04.07.2014, 21:28   #47
dipol-audio
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Hallo Bert,

manchmal bin ich ein bisschen so drauf wie diese Herren hier:

http://upload.wikimedia.org/wikipedi...orf%282%29.JPG

Man möge mir das bitte gelegentlich nachsehen (!)

Dann rege ich mich auf und muss ein wenig Druck ablassen. Aber ich finde es wirklich krass: Ich meine z.B. bei Regalboxen um 1600 Euro das Paar werden doch auch vergleichende Tests unter verschiedenen Herstellern gemacht, wie objektiv die auch immer sein mögen. Da müssen sich die Hersteller teils schon etwas strecken, um den Eindruck, ihre Produkte hätten einen Nutzen für den Kunden, auch zu untermauern. So ganz ohne Messtechnik geht es da auch schon seit Jahrzehnten nicht mehr.

Aber das Raumakustik Produkt (?) eines Geschäftspartners zu je knapp 1000 Euro das Stück ohne jeden Nachweis der Funktion und ohne Vergleich mit Mitbewerber Produkten anzupreisen wie Freibier, das ist m.E. schon ziemlich dummdreist.

Das hat - mit Verlaub - das Niveau von Kaffeefahrten für Rentner mit anschließendem Verkauf von Heizdecken, um mal ein anderes wohlbekanntes Geschäftsmodell zu nennen.

Selbst im Kamin brennen diese Zeitschriften nicht schön, wegen dem ganzen Hochglanzkram und den Druckfarben ... und für andere Verwendungszwecke - wo man auch Papier gebrauchen kann - da sind sie wiederum nicht weich und saugfähig genug. Auf manche Ausgaben und Artikel trifft das leider besonders zu.

Entschuldigung ...
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Alt 04.07.2014, 22:47   #48
P.Krips
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Hallo,
dem, was Oliver geschrieben hat ist fast nichts hinzuzufügen

Eine Anmerkung zu den TML-Absorbern:
Grundsätzlich muß so ein Teil auch Bedämpfungsmaterial enthalten, denn man muß eine Balance finden, daß einerseits die Reso überhaupt einschwingen kann, die aber andererseits soweit bedämpft sein muß, daß der anregenden Druckschwankung aus dem Raum überhaupt Energie entzogen werden kann und ganz praktisch in Wärme umgewandelt werden kann.
Mit dem Dämpfungsmaterial werden aber die höheren Resos (3/4 Lambda, 5/4 Lambda etc.) in der Regel aber weitestgehend unterdrückt.
Das ist nicht anders als bei einer TML-Box.....
Daß die Resonatoren (auch Helmholtz-Resonatoren) im Raum nichts bringen, dürfte klar sein, wenn man sich mal die Relationen im Raum vergegenwärtigt.
Nehmen wir mal eine stehende Welle zwischen gegenüberliegenden Wänden, sagen wir mal 4 m lang und 2,50 m hoch.
Da geht es bei einer voll ausgeprägten Mode um eine effektive Fläche von 100000 qcm.
Nehmen wir mal großzügigerweise ein Rohr mit 20 cm Durchmesser, dann hat das eine Offnungsfläche von 314 qcm, also 1/318 der Wandfläche.
Was soll das also bewirken ?

Andererseits kenne ich eine Anwendung, bei der das hervorragend funktioniert:
IN Lautsprecherboxen zur Reduzierung von Stehwellen speziell in spärlich bedämpften BR's.
Der User Ton-Feile hat das in anderen Foren vorgestellt und auch messtechnisch dokumentiert.
Warum das dort funktioniert, sollte auch klar sein, da sind die Relationen Fläche der beteiligten Innenwände zu Resonatorfläche um mehrere Größenordnungen besser, da geht es dann um 1:5 bis 1:10 ca.
Sowas im Wohnraum gemacht hätte dann auch den gewünschten bzw. erhofften Effekt.

Gruß
Peter Krips
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"Wer sich über Kritik ärgert, gibt zu, daß sie verdient war "
(Tacitus um 100 n. Chr)

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'Lieber schweigen und als möglicher Dummkopf gelten, als den Mund aufmachen und jeden Zweifel zu beseitigen..'
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Alt 05.07.2014, 11:58   #49
dipol-audio
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Zitat:
Zitat von P.Krips
Da geht es bei einer voll ausgeprägten Mode um eine effektive Fläche von 100000 qcm.
Nehmen wir mal großzügigerweise ein Rohr mit 20 cm Durchmesser, dann hat das eine Offnungsfläche von 314 qcm, also 1/318 der Wandfläche.
Was soll das also bewirken ?

Hallo Peter,

ich habe die ganze Physik jetzt auch nicht in einer Formelsammlung parat ...

Recht hast Du auf jeden Fall mit der Feststellung, daß in (der Länge nach ) mit Dämpfungsmaterial gefüllten Röhren die Resonanzen höherer Ordnung sehr stark unterdrückt werden und dann praktisch nur noch die Grundresonanz in Erscheinung tritt, die dann natürlich auch eine Dämpfung erfährt.

Die Sache mit dem Helmoltzabsorber - und seiner Wirksamkeit mit mehr oder weniger Bedämpfung - stellt sich aber etwas anders dar, und ich denke das betrifft letztlich alle Bauformen von "Resonanzabsorbern" zumindest prinzipiell.

Man kann nicht einfach davon ausgehen, daß "nur dort absorbiert werden kann, wo auch eine Öffnung ist", und daß Schall nur dort absorbiert werden kann, wo er geometrisch gesehen auch genau auf die Öffnung (z.B. eines Helmholtzresonators) fällt. Hier spielt auch die Wellenlänge des Schalls, den es zu "neutralisieren" gilt, eine Rolle.

Die schmalbandigen Resonanzabsorber können durchaus eine "aquivalente Fensterfläche" haben, welche wesentlich größer ist als z.B. der Querschnitt des Resonator-Ports.

Äquivalente Fensterfläche eines Absorbers: "Wie groß müsste ein Fenster 'nach draußen' sein, damit genauso viel Schallenergie aus dem Raum verschwindet, wie der fragliche Absorber dem Raum entzieht ?

Wenn ich genau eine Frequenz betrachte, dann steigt die äquivalente Fensterfläche eines Helmoltzabsorbers mit seiner Resonanzgüte. Dazu muss er natürlich genau auf die betrachtete Frequenz abgestimmt sein.

Er funktioniert also mit äußerst geringer Dämpfung - "unendlich" wird seine Güte u.a. aufgrund von Reibung (!) im Port sowieso nie - und ohne Dämpfungsmaterial sogar besonders gut: Aber eben nur sehr schmalbandig.

Wie bei Schallwandlern kann man auch bei Resonanzabsorbern "Bandbreite" gegen "Wirkungsgrad" tauschen oder hier: "Bandbreite" gegen "äquivalente Fensterfläche".

Natürlich wird im "resonanten Absorber" (*1) auch Schallenergie in Wärme umgesetzt, aber seine Wirkung basiert nicht allein auf der Absorption, so wie es z.B. bei einem porösen Absorber im Schnellemaximum einer stehenden Welle wäre. Ist ein in einem der Druckmaxima einer stehenden Welle im Raum aufgestellter Helmholtzresonator erst einmal eingeschwungen, dann kann man ihn auch als eine Schallquelle betrachten: Das was er abstrahlt ist aber - wenn er in Resonanz geht - in Gegenphase zum Schall, der auf ihn einwirkt. Man kann ihn dann ähnlich betrachten, wie einen Lautsprecher, dessen Membran auf ein bestimmtes Verschiebevolumen eingeschwungen ist und der quasi "Antischall" erzeugt.

Jetzt kann man aber mit einem Absorber nur dann etwas anfangen, wenn seine Bandbreite praxisgerecht zur Überhöhung im Raum passt, welche man neutralisieren will. Das kann je nach Aufbau des Resonators und raumakustischer Problemstellung auch schon bei einem Helmholtzabsorber ganz ohne (!) zusätzliches Dämpfungsmaterial im Innern der Fall sein.

Die äquivalente Fensterfläche (oder das relative Verschiebevolumen im eingeschwungenen Zustand, wenn ein best. Schalldruck von außen einwirkt) erreicht aber bei einem Helmholtzresonator erst dann raumakustisch relevante Werte, wenn er ziemlich groß gebaut wird.

Genau da liegt der Hase im Pfeffer: Helmoltzresonatoren (zur "Milderung" von Raumresonanzen), welche etwa so groß sind wie übliche Lautsprecherboxen, haben meist nur eine sehr begrenzte Wirkung. Resonanzabsorber müssen für praxisgerechte Bandbreiten und praxisgerechte "äquivalente Fensterflächen" ziemlich groß gebaut werden. Die genauen Grundlagen dazu habe aktuell nicht parat, aber da gibt es hinreichend zugängliche Quellen ...

Genau das schränkt jedoch die Verwendbarkeit von Helmholtzresonatoren in Wohnräumen ein. Eine "aktive Bassfalle" hingegen, kann quasi einen sehr großen Helmholtzresonator "simulieren", indem eine Lautsprechermembran mittels eines Verstärkers Schalldruck in Gegenphase zu einem gemessenen von außen einwirkenden Schalldruck aufbaut. Dies entspricht dann einer teilweisen oder vollständigen Neutralisierung des von außen einwirkenden Schalls. Mit dieser Technik kann man sehr große äquivalente Fensterflächen mit einem Gerät erzielen, welches nicht größer ist als z.B. ein kleiner Subwoofer.

Jetzt kommt für mich aber der nächste Schritt: Wenn es für eine ausgewogene Basswiedergabe also darauf ankommt, daß bezüglich jeder Eigenmode des Raums sich "zugeführte" und "entzogene" Energie etwa die Waage halten, dann kann ich auch gleich anstreben, den Raum - z.B. mit verteilten Subwoofern - von vornherein ausgewogen anzuregen.
Das heißt nichts anderes, als mit räumlich verteilten Schallquellen bezüglich jeder Eigenmode des Raums "zugeführte" und "entzogene" Energie so im Gleichgewicht zu halten, daß es nicht zur übermäßigen Speicherung von Energie in einzelnen Moden kommt.

Die Idee hinter einer ausgewogenen Anregung eines Raums mit mehreren Schallquellen ist keine andere als die Idee von "Antischall" oder auch von "Absorption". Multisubwoofer Systeme mit angepasstem Frequenz und Phasengang der Einzelquellen, Dipol-Subwoofer, "vollständige DBAs" sowie "unvollständige DBAs" sind allesamt Versuche, genau dies zu erreichen: Bezüglich (möglichst) jeder Eigenmode (Raumresonanz) ein übermäßiges Speichern von Schallenergie im Raum zu vermeiden, indem man "zur Anregung passend absaugt" (2*). Jede dieser Techniken kann bei entsprechender Anpassung und geeigneter Umsetzung dem Ideal nahekommen. Darunter gibt es auch sehr einfache Anordnungen ...

Das Ergebnis hängt auch davon ab, welchen Anspruch an die Qualität unterschiedlicher Hörplätze man im Raum hat.

Mit einem wirklich funktionierenden und an den jeweiligen Raum angepassten System zur Tieftonwiedergabe unterhalb der Schröderfrequenz erübrigt sich also der Einsatz von schmalbandigen Resonanzabsorbern oder aktiven Bassfallen, denn die Funktion ist in Bezug auf einzelne Raummoden nicht wesentlichen anders: "Saug' ungefähr soviel Energie ab, wie du reinsteckst, dann ist's gut."

Wenn der Raum z.B. durch Trockenbauwände bereits breitbandig ein gewisses Absorptionsvermögen im Bassbereich hat, dann reagiert er auf zwangsläufig vorhandene Asymmetrien im "Energiehaushalt" einzelner Moden natürlich viel gutmütiger als ein "Betonbunker" mit äußerst geringer Absorption ...

Deshalb steht man mit einem Raum, der bereits breitbandig im Bass ein gewisses Absorptionsvermögen hat, natürlich viel besser da.

____________

(*1) Vielleicht wäre für einen gering bedämpften Helmholtzresonator dann die Funktionsbeschreibung
"passiv angetriebene Antischallquelle mit Absorptionswirkung" angebracht ... zugegeben eine seltsame Wortschöpfung.

(*2) In einem Netzwerk aus teils gegenphasigen "Quellen" und "Senken" kann man im Grunde gar nicht mehr so genau sagen, welche Schallquelle bezüglich eines bestimmten Mess-/Hörplatzes jetzt die Rolle eine "Quelle" und welche die Rolle einer "Senke" hat: Das Gesamtsystem erzeugt nun vielmehr das Schallfeld, so wie es im konkreten Raum z.B. im eingeschwungenen Zustand bei einer bestimmten Frequenz beschaffen ist.

Geändert von dipol-audio (05.07.2014 um 13:58 Uhr).
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Alt 05.07.2014, 21:28   #50
P.Krips
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Hallo Oliver,
will jetzt keine Detaildiskussion aufmachen.
Bei den Box-internen TML-Resonatoren weiß ich, daß die nur mit einer gewissen Bedämfung funktionieren.
Nehmen wir mal an, es gelänge, mit TML- oder Helmholtzresonatoren den Bassfrequenzgang im Raum zu linearisieren, dann bin ich leider auch noch nicht restlos zufriedengestellt.

Unklar bleibt, ähnlich wie wenn man mit EQ's oder mit DSP arbeitet, welchen Pegel man da eigentlich gesenkt hat, um weniger Bassenergie im Raum zu haben.
- Hat man NUR den Moden den Garaus gemacht und die Schallabstrahlung des Lautsprechers in den Raum ist unverändert ? Wohl kaum denkbar, wie soll der dumme Resonator das dann differenzieren ?
- Oder hat man auf den fraglichen Frequenzen lediglich den Pegel des Lautsprechers reduziert ? Finde ich nun auch nicht zwingend die Ideallösung....
- Oder, was für mich die wahrscheinlichere Variante ist: Die Resonatoren knabbern an Allen unterschiedslos was weg. Auch noch nicht die Ideallösung.

Unterm Strich, das erwähnst du ja auch, scheint es mir daher sinnvoller, durch entsprechende Aufstellung, bestimmte Basssysteme oder bestimmte Bassanordnungen Modenanregung von vorneherein zu vermeiden oder wenigstens zu minimieren.

Gruß
Peter Krips
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Alt 06.07.2014, 14:47   #51
dipol-audio
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Zitat:
Zitat von P. Krips
- Hat man NUR den Moden den Garaus gemacht und die Schallabstrahlung des Lautsprechers in den Raum ist unverändert ? Wohl kaum denkbar, wie soll der dumme Resonator das dann differenzieren ?


Hallo Peter,

m.E. kann man es sich ähnlich wie bei einem passiven elektrischen Netzwerk zur "Impedanzkompensation" veranschaulichen ...

Als Analogie:
Ein geschlossener 2-Wege LS mit 2 Schallwandlern und Frequenzweiche hat typischerweise 2 Impedanzpeaks, nämlich einen in der Nähe der Übernahmefrequenz und einen bei der Grundresonanz des Basstreibers im Gehäuse. Wer speziell einem Röhrenverstärker etwas Gutes tun will, der kann u.a. durch Parallelschalten von (passend bedämpften...) Saugkreisen die Impedanz des Gesamtnetzwerks (Lautsprecher und Komponenten der Frequenzweiche) "konstant"
gestalten ("glätten", "entzerren", "linearisieren", ... ), so daß am Ende z.B. eine fast konstante Impedanz von z.B. 4 Ohm entsteht.

Das bedeutet, daß im gesamten Übertragungsbereich von 20Hz ... 20Khz das Verhältnis von Eingangsspannung zu resultierendem Strom (die Impedanz) nahezu konstant wird.

Raummoden hingegen mittels eines Helmoltzsabsorbers zu "glätten" bedeutet letztlich in Analogie nichts Anderes, als die akustische Impedanz des Raums (als Verhältnis zwischen Druck und Schnelle) - für einen bestimmten Anregungsort - "glatter" zu gestalten.

Allerdings muss ich den Helmholtzabsorber ("quasi als Saugkreis") nicht zwingend am Anregungsort aufstellen, wenn dort bei der betreffenden Eigenmode/Raumresonanz ein Druckmaximum besteht, sondern kann ihn ebenso in einem korrespondierenden Druckmaximum derselben Mode (derselben stehenden Welle) aufstellen, z.B. in der Ecke einer gegenüberliegenden Raumwand.

Die "Schallabstrahlung des Lautsprechers" und "die Mode" kann man unterhalb der Schröderfrequenz eines Raums tatsächlich begrifflich nicht streng voneinander differenzieren, weil unterhalb der Schröderfrequenz Lautsprecher und Raum als ein Netzwerk gesehen werden müssen, bei dem noch gar keine freie Schallabstrahlung erfolgt.

Der übliche monopolare Lautsprecher stellt hier eine "Druckquelle" dar und "der angeschlossene Raum" ein Netzwerk, welches daran angeschlossen ist und eine frequenzabhängige akustische Impedanz bereitstellt.

Das sich einstellende Verhältnis von Druck zu Schnelle am Anregungsort hängt nun von der Frequenz ab, also davon, ob ich mich auf einem Resonanzmaximum der akustischen Impedanz befinde oder in einem Minimum, oder irgendwo dazwischen ...

Den Raum nun z.B. mit Helmholtzabsorbern bezüglich eines bestimmten Anregungsortes zu "glätten" heißt, dem Lautsprecher eine frequenzunabhängigere akustische Impedanz zur Verfügung zu stellen.

"Selektiv" ist ein solcher Helmholzabsorber eher in räumlicher Hinsicht: Da er in einem Druckmaximum aufgestellt wird, wird er an seinem Ort die resonante Druckerhöhung "abmildern". Er trägt damit zu einer gleichmäßigeren Schalldruckverteilung im Raum bei: Denn wenn alle Moden im Raum durch Aufstellung geeigneter Resonanzabsorber "geglättet" wären, dann ist die räumliche Struktur des Schallfeldes weniger durch stehende Wellen und deren Druckmaxima bzw. Minima geprägt. Eine gefundene "Entzerrung" ist aber streng genommen immer nur für einen bestimmten Anregungsort (Position des Lautsprechers) gültig.


Ein Beispiel dazu:

Wenn ich eine bestimmte Raummode - z.B. die axiale Grundmode entlang der Längsachse - gar nicht anrege, weil mein (monopolarer) LS (Subwoofer) genau in der Mitte des Raums zw. Front- und Rückwand steht, dann "sieht" mein LS auch keine erhöhte akustische Impedanz bei der Frequenz dieser Mode. Einen Helmholtzabsorber nun auf diese Grundmode "anzusetzen" und im Raum aufzustellen wäre jetzt also sinnlos oder sogar kontraproduktiv.

Das Netzwerk, welches der Lautsprecher als akustische Impedanz "sieht", verändert sich mit seinem Aufstellungsort. Die Übertragungsfunktion besteht hingegen zwischen "Sender" und "Empfänger" also LS und Hörer bzw. Messmikrofon. Die Wahl des Hörplatzes ist damit ebenso eine Möglichkeit, z.B. dem Druckmaximum einer stehenden Welle zu entgehen ...

Beispiel Multisubwoofer (mit monopolaren Subwoofern):
Entgegen dem Aufstellen von "Kompensationsgerät", welches immer auf die konkrete Raumsituation abgestimmt sein muß und in passiver Ausführung fast immer größer ausfällt als die Lautsprecher selbst, bietet das Anregen eines Raums an mehreren voneinander (auf Wellenlängen bezogen) deutlich separierten Orten den statistisch nachweisbaren Vorteil einer "akustischen Impedanzkompensation" gegenüber der Anregung mit einer Einzelquelle: Die akustischen Impedanzen mehrerer Anregungsorte tendieren beim Einhalten einiger Regeln dazu, sich gegenseitig auszugleichen, auch wenn es einzelne Anordnungen gibt, bei denen die Verbesserung geringer ausfällt. Das Ergebnis ist in der Tendenz eine erheblich ausgewogenere Anregung des Raums als mit nur einem einzelnen Woofer oder Subwoofer.

Beispiel einer Dipolaufstellung (hier ein Spezialfall):
Mit einer Dipolquelle sind auch sehr spezielle Anordnungen möglich. Richtet man z.B. den Dipol entlang der Längsache des Raums aus und stellt ihn genau in die Mitte des Hörraums zwischen Front und Rückwand, dann kann der Dipol von dort als "Schnellewandler" alle ungeradzahligen axialen Moden zwischen Front- und Rückwand inklusive der Grundresonanz anregen.

Liegt der Hörplatz jedoch ebenfalls genau in der Mitte des Hörraums zwischen Front und Rückwand, dann ist der Hörer als "Druckempfänger" für diese Moden dort nicht empfänglich ... denn es treten dort nur Schnellemaxima dieser ungeradzahligen Moden auf: Die Druckmaxima dieser Moden befinden sich dort, wo der Hörer gerade nicht sitzt.

Bei den geradzahligen axialen Moden zwischen Front- und Rückwand ist es hingegen umgekehrt: Der Dipol regt sie von seiner Position aus nicht an, der Hörer wäre aber für die Druckmaxima dieser Moden in der Mitte des Raums sehr empfänglich.

Sender (in diesem Fall ein Dipol-Subwoofer als "Druckgradienten" oder "Schnelle"-Wandler), Raum und Empfänger bilden bei dieser speziellen Art der Anregung eine Art Kompensationsnetzwerk, welches selbst in einem gering bedämpften Raum einen ausgewogenen Frequenzgang im modalen Tieftonbereich ermöglicht [1]. Moden in anderen Raumrichtungen werden vom Dipol dann nur in abgeschwächter Form angeregt.

Diese Anordnung ist als eine Art Sonderfall zu sehen, den man - auch in Variationen - anwenden kann, wenn Bedämpfungsmaßnahmen im Raum oder das Unterbringen mehrerer Schallquellen aus technischen oder anderen Günden nicht möglich sind: Die "inhärente Kompensation" funktioniert dann aber nur für einen relativ eng umgrenzten Bereich von Hörplätzen. An anderen Hörplätzen ergeben sich wieder deutlich unruhigere Frequenzgänge. Dieser Bereich ist aber immer noch weiträumiger als mit "digitaler Modenkompensation" s.u.


Sowohl mit Monopolen als auch mit Dipolen lassen sich jedoch Systeme mit mehreren Subwoofern aufbauen, welche den Raum wesentlich ausgewogener anregen können als einzelne Subwoofer.

Auch DBAs und SBAs seien noch genannt, die - ebenfalls bei "perfekter Einhaltung der Bedingungen" - eine nahezu "modenfreie" Basswiedergabe versprechen, wenn auch bei relativ hohem Aufwand.

Der Unterschied von raumakustischen Lösungen zu reinen DSP und EQ Lösungen im Tiefton unterhalb der Schröderfrequenz: "Digitale Modenkompensation" durch Filterung des Lautsprechereingangssignals ändert am Verhalten des Lautsprecher/Raum Systems rein gar nichts (!)
  • Eine unausgewogene - weil resonante - akustische Impedanz für einen einzelnen oder mehrere Schallwandler an ihren jeweiligen Aufstellungsorten im Raum bleibt genauso unausgewogen, wie sie ist.
  • Die Varianz im Frequenzgang unterschiedlicher Hörplätze - als eine der Haupterkennungsmerkmale modal geprägter und resonanter Tieftonwiedergabe im Hörraum - bleibt exakt wie zuvor.
  • Lediglich der Amplitudenfrequenzgang wird für einen bestimmten sehr eng umgrenzten Hörplatz "geradegezogen".
  • Defizitäres Einschwingverhalten im Bereich bestimmter Frequenzen bleibt ebenso erhalten.
  • Das Ergebnis wird für einige andere Hörplätze im Raum sogar zwingend schlechter als zuvor, wenn für den Haupthörplatz "ganz glattgezogen" wird.



Zitat:
Zitat von P. Krips
Unterm Strich, das erwähnst du ja auch, scheint es mir daher sinnvoller, durch entsprechende Aufstellung, bestimmte Basssysteme oder bestimmte Bassanordnungen Modenanregung von vorneherein zu vermeiden oder wenigstens zu minimieren.

M.E. ist das zutreffend, da ist man näher an der Ursache und bewirkt im Zweifel mit gegebenem Aufwand erheblich mehr.

Effiziente - zumal baulich nachträgliche - Absorptionsmaßnahmen unterhalb der Schröderfrequenz eines (Wohn-) Raums sind ohnehin in den allermeisten Fällen aus Gründen des Platzbedarfs und des Aufwands unrealistisch oder gar nicht erwünscht: Es wird deshalb meist - verständlicherweise - einfach nicht gemacht. Allein deshalb sollte man das Hauptaugenmerk m.E. auf realistische und wirksame Optionen legen.

Natürlich ist es von Vorteil, wenn ein Raum mit gut aufgebauten und bedämpften Trockenbauwänden (u.u. auch an Teilflächen) im Bassbereich ein gewisses Absorptionsvermögen mitbringt, das habe ich ja oben schon geschrieben.

_________________

[1] vgl. u.a. "MODAL COUPLING OF DIRECTIONAL SUBWOOFERS IN RECTANGULAR ROOMS", A Thesis in Acoustics by Philip Feurtado 2013, https://etda.libraries.psu.edu/paper/18841/17442‎‎, Figur 4.12 Seite 49
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Geändert von dipol-audio (06.07.2014 um 16:30 Uhr).
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Alt 06.07.2014, 17:13   #52
P.Krips
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Hallo Oliver,
oben schrieb ich:
"- Oder, was für mich die wahrscheinlichere Variante ist: Die Resonatoren knabbern an Allen unterschiedslos was weg. Auch noch nicht die Ideallösung."

daher bin ich noch nicht ganz zufriedengestellt.

Die Betrachtung als Netzwerk ist o.k., festhalten muß man insbesondere, das Erreger (Lautsprecher) und Raum unterhalb der Schröderfrequenz im modalen Bereich als integriertes System zu betrachten sind, in dem es eine resultierende Gesamtübertragungsfunktion gibt.

Wenn man nun in einer gegebenen schlechten modalen Situation auf bestimmten Frequenzen mit Absorbern Energie entzieht, dann wirkt das unausweichlich auf die Gesamtübertragungsfunktion, entzieht also auch dem in den Raum eingespeisten Quellsignal Energie.
Insofern passiert da leider doch (abgeschwächt) was Ähnliches wie beim Einsatz von PEQ's, zu denen du ja richtig anmerkst, daß die letzlich am Lautsprecher/Raumsystem nichts ändern.
Insofern "abgeschwächt", weil Absorber auf die Mode und den Direktschall einwirken, PEQ etc. als Stellschraube aber nur auf den Direktschall einwirken.

Einen gewichtigen Vorteil haben Absorber aber dennoch:
Sie stellen ja nicht nach der ersten anregenden Wellenfront ihre Funktion ein, sondern wirken ja im Gegensatz zu PEQ-Lösungen auch noch im Bereich der "Nachhallfahne", verbessern also deutlich, knabber, knabber, (natürlich nur, wenn sie wirklich gut funktionieren, dann wird es aber recht voluminös..) die Nachhallzeit des Systems, was irgendwie nicht nachteilig sein soll...


Gruß
Peter Krips
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Alt 09.01.2015, 18:06   #53
Stax
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Beiträge: n/a
Standard AW: Bass-Buster .....

... mein Bass-Buster ist jetzt im Einsatz und er funktioniert!

Als ich mein "Kinozimmer" vollständig eingerichtet hatte und bei laufender Musik den Raum betrat, bemerkte ich hinter der an der Seitenwand stehenden Vitrine Resonanzen. Da ich keinen Schaumstoff zur Hand hatte, habe ich dann die 3 Plexiglasröhren so platziert, so dass der Spalt hinter der Vitrine abgedeckt wird. Nun sind die Resonanzen "absorbiert", und der verhinderte Bass-Buster erfüllt tatsächlich einen Zweck, wenn auch anders als geplant.

Selbst der SW regt die Rückwand der Vitrine nicht an!
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